Kompendium

Beleihungswert vs. Verkehrswert: Wie die Bank Ihre Immobilie bewertet

Frank Trampenau8. Juli 20266 Min. Lesezeit

Der Beleihungswert liegt meist 10 – 20 % unter dem Kaufpreis – mit direkter Wirkung auf Zinssatz und Eigenkapitalbedarf. Wir zeigen, wie er zustande kommt.

Beleihungswert vs. Verkehrswert: Wie die Bank Ihre Immobilie bewertet

Wer eine Immobilie finanzieren will, stößt auf zwei Werte, die selten gleich sind: den Verkehrswert (Marktwert) und den Beleihungswert der Bank. Die Differenz von typischerweise 10 – 20 % ist kein Rechenfehler, sondern eingebauter Sicherheitsabschlag – und sie beeinflusst direkt Ihren Zinssatz. Wer die Systematik versteht, kann bei Verhandlung und Bankauswahl gezielt gegensteuern.

Weiterführende Themen

Verkehrswert: Der Marktpreis

Der Verkehrswert ist nach § 194 BauGB der Preis, der zum Bewertungszeitpunkt im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre. In der Praxis ist er meist identisch mit dem Kaufpreis, den Sie im Notarvertrag beurkunden – vorausgesetzt, Sie haben nicht deutlich über oder unter Marktniveau gekauft.

Beleihungswert: Der Bankwert

Der Beleihungswert ist der Wert, den die Bank langfristig und krisensicher zugrunde legt. Er soll auch in einer Immobilienkrise die Schulden decken. Deshalb rechnet die Bank Sicherheitsabschläge ein:

  • Marktrisiko-Abschlag: 10 – 15 %
  • Vermarktungskostenabschlag: 5 – 10 % (Makler, Notar, Zeit)
  • Bewertungsabschlag für Sondermerkmale (Denkmal, ungewöhnliche Grundrisse)

Ergebnis: Beleihungswert typischerweise 80 – 90 % des Kaufpreises. Bei Neubau eher näher an 90 %, bei Bestandsimmobilien mit Sanierungsbedarf oft nur 75 %.

Beleihungsauslauf und Zinssatz

Der Beleihungsauslauf ist der Anteil des Darlehens am Beleihungswert (nicht am Kaufpreis!). Er entscheidet über den Zinssatz. Grobe Klassen 2026:

  • Bis 60 % Beleihungsauslauf: Bester Zins (aktuell ca. 3,45 %)
  • 60 – 80 %: +0,10 – 0,20 %-Punkte
  • 80 – 100 %: +0,20 – 0,45 %-Punkte
  • Über 100 % (Vollfinanzierung): +0,50 – 1,00 %-Punkte

Rechenbeispiel: 400.000 € Kaufpreis

Kaufpreis 400.000 €. Bank setzt Beleihungswert bei 340.000 € an (–15 %). Sie bringen 80.000 € Eigenkapital plus 48.000 € für Nebenkosten mit. Darlehen: 320.000 €.

  • Beleihungsauslauf: 320.000 / 340.000 = 94 % – schlechte Zinsklasse.
  • Mit zusätzlichen 30.000 € Eigenkapital: Darlehen 290.000 €, Beleihungsauslauf 85 % – deutlich bessere Klasse, Zinsersparnis ca. 0,20 %-Punkte ≈ 580 € pro Jahr.

Was den Beleihungswert beeinflusst

  • Lage: Metropollagen positiver bewertet als Randgemeinden
  • Zustand: Modernisierungsstau senkt den Wert
  • Energieklasse: A/B werden zunehmend höher bewertet als F/G
  • Objektart: Standardgrundriss > Sonderimmobilie
  • Vermietung: Bei vermieteten Objekten wird der Ertragswert einbezogen

Tipps für Käufer

  1. Realistischen Kaufpreis wählen. Deutlich überteuerte Käufe führen zu Beleihungswertabschlag.
  2. Energieausweis besorgen und positive Werte in die Bankunterlagen einbringen.
  3. Modernisierungen dokumentieren. Fotos, Rechnungen, Wertgutachten heben den Beleihungswert.
  4. Mehrere Banken parallel anfragen. Beleihungswert kann zwischen Instituten um 5 – 10 % variieren.

Fazit

Der Beleihungswert ist kein Naturgesetz, sondern eine Bankentscheidung mit erheblichem Spielraum. Wer den Unterschied zwischen Verkehrs- und Beleihungswert versteht, kann durch gezielte Bankauswahl und Vorbereitung der Unterlagen den Zinssatz spürbar drücken. Wir vergleichen Beleihungswerte und Konditionen von über 400 Banken – so finden wir die Kombination aus günstiger Bewertung und niedrigem Zins.